Markuskirche
Wegen der Kriegsvorbereitungen der Nazizeit wurde für den Bau so wenig Eisen wie möglich eingesetzt.
Bauzeit: 1937-1938
Architekt: Max Schmechel
Öffnungszeiten: zu den Gottesdiensten
Die Markuskirche im Stadtteil Almenhof gehört zur Pfarrgemeinde Almenhof-Lindenhof-Neckarau.
Schlichtheit, Strenge, Spiritualität
Die Markuskirche, eine Saalkirche mit Orgelempore sowie Glocken- und Uhrturm, wurde 1937/38 von dem Architekten und Politiker Max Schmechel (1892-1966) innerhalb weniger Monate ursprünglich für 800 Besucher:innen erbaut und sollte Mittelpunkt eines Neubauviertels werden: Die Almenhofsiedlung, ein Gartenstadt-Genossenschafts-Projekt, hatte Schmechel seit 1921 realisiert. Zudem war geplant, die Lanz-Werke (heute John Deere) zu verlegen und jenseits der Speyerer Straße weitere Lindenhof-Bebauung zu errichten. Da die Fabrik blieb, befindet sich die nach Südosten ausgerichtete Kirche heute am nordwestlichen Rand des Almenhofs, doch bildet die Markuskirche mit ihrem großflächigen, begrünten Außen-Areal eine Gelenkfunktion zwischen den Stadtteilen Almenhof, Lindenhof und Niederfeld und ist durch die nahe Straßenbahnlinie direkt mit der Innenstadt und mit Neckarau verbunden.
Max Schmechel, der aus Pommern stammte, griff dortige Bautraditionen und historische Materialien wie Klinker (gebrannten Ziegel-Backstein) auf und ließ sich durch Backsteinarchitektur in neuromanischer Formensprache inspirieren: durch das Rathaus von Stockholm und seinen berühmten Turm – mit dem für den Markusturm vorbildhaften offenen Glockenstuhl – wie auch durch die Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche, die zwischen 1911 und 1930 entstanden.
Das Zentrum des Markus-Baukomplexes bildet der 30 m hohe Turm mit der Kirche, daran schließen sich Gemeinde- und Pfarramtsräume an. In der klaren optischen Gliederung der rechteckigen Bauteile mit Satteldächern und dem Kirchenschiff mit seinen rundbogigen Fenstern, Wandvorlagen und Arkaden, der flachen Holzdecke, dem tonnengewölbten Chor und den Metall-Radleuchtern zeigt der Bau Schlichtheit, geradezu Strenge. Und eine Rückbesinnung auf das frühe Christentum mit einer neuen verinnerlichten Spiritualität in den wirtschaftlich und politisch unruhigen Zeiten der NS-Diktatur. Auf Metall musste weitgehend verzichtet werden, denn der Krieg warf seine Schatten voraus.
1944 brannte die Kirche bis auf die Außenmauern nieder, auch der 30 m hohe Turm war beschädigt. Der ebenfalls kriegszerstörte, überlebensgroße Korpus des gekreuzigten Christus an der Chorwand, ein bronzefarben gefasster Gips des für die Karlsruher Majolika-Manufaktur tätigen Keramikers und Plastikers Otto Schneider (1890-1946), wurde 1953 nachgegossen, das Holzkreuz ergänzt. Beleuchtet wird der Kruzifixus im Gewölbe des Chors durch ein das Morgenlicht einfangendes seitliches Rundfenster (Oculus) und durch drei kreisförmige, zentral eingelassene Lampen. So erscheint im Gottesdienst gleichzeitig das Licht von Schöpfung und Auferstehung wie auch das der Dreieinigkeit.
Die Weigle-Orgel wurde 1938 eingebaut und in den 50er Jahren nach ihrer weitgehenden Zerstörung erneuert mit 39 Register mit 2546 Pfeifen, drei Manualen und einem Pedal. Jüngste Orgelrenovierung: 2021.Drei der vier Glocken der Karlsruher Gießerei Bachert wurden nach dem Krieg neu gegossen. Später mussten sie aus statischen Gründen von vier auf drei reduziert werden und erhielten neuartige Ausgleichgewichte. Der Turmaufbau wurde ersetzt und verstärkt. An der Verbesserung der Statik im Zusammenhang mit den Schwingungen wird weiterhin gearbeitet.
Adresse
Markuskirche
Im Lohr 2-6
68199 Mannheim
Im Lohr 2-6
68199 Mannheim

