Baugeschichte M1

 
M1. Die Adresse ist namensgebend. Seit das Haus der Evangelischen Kirche im Jahr 2008 in M1, dem so genannten Kirchenquadrat, feierlich eröffnet wurde, wird es vielfach so genannt: „M1“. Dieses Haus ist ein geistlicher Ort mitten im Getriebe der Stadt. Es befindet sich in direkter Nachbarschaft von IHK und Landgericht, in direkter Sichtnähe zum Mannheimer Schloss, mit der Straßenbahnhaltestelle „Schloss“ fast vor der Tür.

Ein ausgezeichneter Bau

Im Jahr 2014 zeichnete die Architektenkammer Baden-Württemberg das nach Plänen von Architekt Michael Auerbacher (Burghausen, Bayern) errichtete Gebäude für „Beispielhaftes Bauen 2007-2013“ aus. Die Jury würdigte M1 als „offenen, großzügigen Bau, der die Arbeit der evangelischen Kirche zeitgemäß integriert“. Das Foyer sei „hervorragend für Veranstaltungen geeignet“. Betont wurde „der neugestaltete Innenhof, der eine fast klosterähnliche Stimmung vermittelt und zu Kontemplation und einer kleinen Auszeit im Herzen der Stadt einlädt“.

Erstklassige Architektur in der zweiten Reihe

Neu bauen in zweiter Reihe: Der Neubau von M1 befindet sich auf der Rückseite des M1-Quadrates. Der Baukörper an der Kurpfalzachse, in dem sich der breite Eingangsbereich des Hauses der Evangelischen Kirche befindet, stammt noch aus den 1950er Jahren. Auf der rückwärtigen Seite der klassischen Blockrandbebauung wurde der bestehende Bau abgerissen und „M1“ neu errichtet.
 
Der Eingangsbereich liegt im Erdgeschoss des bestehenden, vierstöckigen Bauriegels. Er führt ebenerdig am Empfang durch das Foyer hindurch über einen breiten Verbindungstrakt in den komplett neu errichteten fünfgeschossige Bau auf der Rückseite des M1-Quadrats. Dort befinden sich die Büros sowie die Beratungs- und Besprechungsräume. Kurz bevor der Verbindungstrakt in den Neubau und dessen markanten, roten Treppenaufgang mündet, öffnet sich ein baulicher Querriegel: Zur einen Seite befindet sich ein großer Veranstaltungsraum, der mit einer mobilen Wand zum Foyer hin geschlossen ist, zur anderen Seite erstreckt sich der begrünte Innenhof. Dieser findet seinen Abschluss im Raum der Stille.

Zwei Achsen, vier Dimensionen

Dieses aus zwei Achsen bestehende bauliche Konzept verdeutlicht auch der Bodenbelag: Während der Verbindungsgang vom Eingangsbereich hin zu den Arbeitsräumen im Neubautrakt mit einem hellen Belag als Steinband gestaltet ist, ist der Querriegel durch Holzbelag markiert: Er setzt an im großen Veranstaltungsraum und setzt sich über die Holzterrasse im Innenhof fort zu dem ebenfalls mit Holz ausgelegten Raum der Stille. 
 
Diese bauliche Form des Kreuzes vergegenwärtigt vier Dimensionen: der Eingangsbereich verdeutlicht die Verbindung zu Alltag, Leben, Umwelt und Stadt, die gegenüberliegende großflächige Sichtschutz- und Abschlusswand im Neubau versinnbildlicht die Bereiche Arbeit, Geist, Wissen und Dienst. Im Querriegel steht der Veranstaltungsraum für Gemeinde, Gemeinschaft, Versammlung, Kultur und Feier, während der gegenüber liegende Raum der Stille die Dimensionen Glaube, Religion, Spiritualität, Individuum und Transzendenz umfasst.